Innovatives Denken hat einen Namen: Merkur Alimusaj

Die Abteilung Technische Orthopädie des Universitätsklinikums Heidelberg wurde im Jahr 1919 gegründet. Seitdem galt es, all das Wissen und Können für die Anfertigung von orthopädietechnischen Hilfsmitteln einzusetzen. Die Verwendung modernster Arbeitstechniken und Materialien ist hier eine Selbstverständlichkeit. Die Anfertigung erfolgt nach Maßnahme oder Gipsabdruck in der eigenen Werkstatt, was in dieser Konstellation einmalig in Deutschland geworden ist. Über 80 Mitarbeiter arbeiten in fünf hoch spezialisierten Abteilungen auf höchstem technologischem Niveau mit enger Anbindung an die medizinischen und therapeutischen Bereiche der Klinik und internen sowie externen Forschungseinrichtungen. So ist die Abteilung technische Orthopädie in der Lage, auch schwierigste Versorgungen zu meistern. Der Ruf dieser Abteilung reicht weit über die lokalen Grenzen hinaus, so dass sowohl bundes- wie auch weltweit Patientenanfragen eingehen und diesen Menschen geholfen werden kann.

Herr Alimusaj, Sie sind der Leiter der technischen Orthopädie-Abteilung des Universitätsklinikums Heidelberg. Ihr Ruf: Innovativste Forschungsabteilung Europas. Was macht Ihre Abteilung aus?

Wir sind die letzte universitäre technisch-orthopädische Abteilung einer Universitätsklinik mit einer eigenen Werkstatt und Patientenversorgung. Seit Jahren sind wir in Forschungsprojekte involviert. So begleiten wir die unterschiedlichsten Studien und Produkte vom Entwicklungsstadium bis zur Evaluation. Teils entwickeln wir die Produkte selbst, teils werden die Innovationen von Industriepartnern, wie zum Beispiel Firma Össur oder auch anderen Firmen, geprüft und begleitet. Hier geht es nicht darum, wer was entwickelt und wie viel Geld dahinter steckt, sondern vielmehr der ‚Proof of Principle‘. Es besteht ein überaus großes Forschungsinteresse hier, was wir durch Fördergelder und Unterstützung aus der Industrie auch ausleben können. Wir hinterfragen. Auch unsere eigenen Produkte. Momentan zum Beispiel die unterschiedlichsten Orthesenversorgungen für Patienten mit Cerebralparese.

Wo sollte die Abteilung Ihrer Meinung nach in Zukunft stehen?

Der Zentrumsgedanke sollte mehr gestärkt werden. Ich möchte, dass sich unser Engagement auf die gesamte Uniklinik ausweitet, das ist jetzt so noch nicht der Fall. Gut wäre, wenn das von Seiten der Klinik auch honoriert und formal weiterhin unterstützt werden würde.

Und noch was: Die technische Orthopädie ist eine echte Kompetenz in der modernen Medizin. Das wird total unterschätzt, oder besser, es weiß kaum jemand. Ideal wäre, wenn das noch bekannter werden würde. Es ist kein antiquiertes Handwerk, wo man noch mit Leder oder Stahl arbeitet. Wir müssen weg von diesen Vorstellungen. Das Handwerk hat sich komplett gewandelt, es ist nicht mehr wie früher! Heute arbeitet man mit Silikon oder Carbon. Nun sind wir praktisch Gesundheitshandwerker …

Und was ist mit Ihnen, Herr Alimusaj? Wie kamen Sie zu diesem Beruf?

Ich kannte früher jemanden, der ein Sanitätshaus hatte. Wir trafen uns öfters und ich stand kurz vor meinem Abitur. Er hat mich eingeladen, mir dieses Handwerk doch mal anzuschauen. Ich fand es total interessant und habe mich für eine Ausbildung zum Orthopädie-Techniker entschieden. Schnell war mir klar, dass mir das Handwerk allein zwar sehr viel Freude bereitet, aber für mich auch Stagnation bedeutet. Im Rahmen meines anschließenden Ingenieursstudiums traf dann Handwerk auf Forschung und heraus kam Innovation – hoffe ich zumindest. Das begeisterte mich. Hier in Heidelberg habe ich dann meine Diplomarbeit geschrieben und anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Forschungsprojekten in der Orthetik und Prothetik gearbeitet. 2008 wurde meine jetzige Stelle vakant und ich ergriff meine Chance, Wissenschaft und Klinik zusammenzubringen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?

Die Mischung aus der Forschungsarbeit und den Patientenversorgungen. Sehen, dass Handeln auch einen Effekt hat und wissen, dass dies auch nachvollziehbar sein kann. Das ist sehr befriedigend. Die Abteilung ist dynamisch und das muss sie auch bleiben. Das ist meine Aufgabe. Die Industrie wirft viel auf den Markt und ich sorge dafür, dass diese Produkte auch hier ankommen und meine Kollegen sich damit konstruktiv auseinandersetzen können und am Ende unsere Patienten das richtige Hilfsmittel erhalten.

Die Arbeit erfüllt mich und macht unglaublich Spaß. Es ist eine schöne und echte Aufgabe. Mit echter Verantwortung. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich meine Umwelt ein Stück weit mitgestalten kann.