Go anywhere – do anything

Überall hinfahren – und alles machen. Das ist das Motto, dem sich sowohl Peter Büttner als auch die Geländewagenmarke Jeep verschrieben haben. Was passiert, wenn beide zusammentreffen, haben wir uns bei Peter Büttner in Wertheim angesehen.

„Kommen Sie ruhig rein“, ruft Peter Büttner aus dem Wohnzimmer. Einfach gesagt, wenn man weiß, was für ein Sonnenschein der über hüfthohe Bloodhound Froni in der Tür tatsächlich ist. Für den fremden Besucher ist Froni aber erstmal riesengroß – und auch die Mitteilung, dass es sich um einen reinrassigen „Bloodhound“ handelt, ist zunächst nicht unbedingt eine vertrauensbildende Maßnahme. Die Bedenken sind unbegründet, denn sobald wir um den Küchentisch herumsitzen, zeigt sich Froni als der wohl größte Kuschelhund Tauberfrankens.

Mit Kleinigkeiten, so scheint es, hat sich Froni´s Besitzer Peter Büttner noch nie zufrieden gegeben. Trotz seiner Contergan-Schädigung hatte er Zeit seines Lebens eher Großes vor. Neben seinem Beruf als Personalreferent an der Universitätsklinik Würzburg spielte er jahrzehntelang begeistert Fußball, lief Marathon und fuhr Rad- und Alpinski-Rennen – nahezu ohne Arme. Die allermeisten trauen sich vieles davon nicht mal mit zwei gesunden Armen zu. „All das kann ich heute nicht mehr“, bedauert der 55-Jährige. „Nach 26 Jahren Schreibtischarbeit war mein Rücken kaputt. Schließlich musste ich mich jeden Tag zig Male für jeden Zettel, den ich von der Tischplatte nehmen wollte, ganz nach vorne beugen und drehen. Das hielt meine Wirbelsäule trotz sehr viel Sport irgendwann nicht mehr aus – und als ich schließlich viermal pro Woche Spritzen gegen die Hexenschuss-Schmerzen brauchte, habe ich mich dann aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet.“

Was nicht heißt, dass sein Leben seither weniger aktiv ist. Denn ein weiteres großes Hobby von Peter Büttner hat direkt mit Bloodhound Froni zu tun – die dreijährige Hündin ist ein ausgebildeter Personensuchhund – zu Deutsch „Mantrailer“. Und weil Peter Büttner weder kleine noch halbe Sachen macht, ist er seit elf Jahren Mantrailing-Trainer, der Hunde und ihre Besitzer für die Personensuche dafür ausbildet, Polizei, Feuerwehren und Rettungsdiensten dabei zu helfen, vermisste Personen aufzuspüren.

Seit 1988 geht es auch in seiner Garage eine Nummer größer zu – und außergewöhnlicher. „Nachdem ich bis dahin immer normale PKW mit entsprechenden Bedienungshilfen gefahren bin, hatte mir ein Freund eines Tages die Schnapsidee in den Kopf gesetzt, doch mal einen Geländewagen auszuprobieren“, erzählt Büttner. „Darüber hatte ich mir bis dahin nie Gedanken gemacht.“ Kurz entschlossen fuhr er zum örtlichen Mitsubishi-Händler und merkte schon beim ersten Probesitzen in einem Pajero, dass Armaturenbrett und Lenkrad viel näher beisammen liegen, als bei einem normalen PKW – und daher leichter zu erreichen sind. „Ich war überrascht, wie gut das klappt“, erinnert sich Büttner. Kurz entschlossen wurde der erste Geländewagen gekauft, und sowohl Fahrpraxis als auch Fahrerlebnis überzeugten nicht nur, sondern infizierten geradezu.

„Vor sechs Jahren kam dann der Wunsch nach einem Original-Geländewagen auf, einem echten Klassiker. Und ich bin auf den Jeep Wrangler gestoßen“, erinnert sich Peter Büttner. „Danach war ich vollkommen im Geländewagen-Fieber.“ Nicht nur, dass der Wrangler mit seinem senkrecht hoch aufragenden Armaturenbrett und dem sehr dicht davor liegenden Lenkrad alle Bedienelemente in Reichweite präsentiert, bot er auch von Anfang an Inspiration dazu, das Auto als neues Hobby zu betrachten. „Eines Tages sah ich im Internet einen verlängerten Wrangler in Sandbeige mit Reserve-Benzinkanistern vorne direkt hinter den Kotflügeln“, lacht Peter Büttner, und wird danach ganz ernst. „Seitdem wollte ich genau so ein Auto haben.“ Er fragte den weltweiten Chef der Marke Jeep in den USA nach diesem Wrangler und erhielt die Antwort, dass es sich um ein Concept Car handelt, dessen Produktion nicht geplant ist. Aber Aufgeben stand noch nie auf der Agenda von Peter Büttner.

„Was blieb mir also übrig, als mir meinen Traum-Wrangler selber zu bauen?“, seufzt er. Und da seine Frau schon immer ein Wohnmobil haben wollte – das er aber wegen der Transporter-typischen Sitzposition weit weg von Lenkrad und Bedienelementen nur sehr schwer fahren kann – hat er sich den Wrangler gleich vom Spezialisten mit einem maßgeschneiderten Wohnmobil-Auf- und Einbau versehen lassen: komplett mit Webasto Diesel-Heizung, Küchenblock, Kühlschrank, fließend Wasser und Außen-Warmwasserdusche. Das Doppelbett verbirgt sich unter dem aufstellbaren Dach – und auch Bloodhound Froni hat ihren Platz, direkt hinter dem Fahrersitz – denn schließlich muss sie oft zusammen mit Herrchen zu Maintrailing-Einsätzen fahren.

Mit das Schwierigste am Umbau des Wrangler aber seien die beiden Außen-Kanister gewesen. Da sie nah an die vorderen Kotflügel rücken mussten, damit die Türen sich noch vollständig öffnen lassen, war eine Anpassung der Kanister-Kontur nötig. „Finden Sie mal jemanden, der Metall-Benzinkanister umbaut“, lacht Büttner. Zumal der Umbau nicht nur optisch zufrieden stellen durfte. „Ich wollte die beiden 20-Liter-Kanister auch als Trinkwasser-Reservoir haben, zusätzlich zum eingebauten Wasser-Tank. Deshalb mussten die Kanister dicht sein, und zudem auch noch mit einer Lebensmittel-kompatiblen Innenbeschichtung versehen werden. Nicht einfach, aber wir haben´s geschafft“, freut sich der Perfektionist.

Das Ergebnis von mehreren Monaten Umbau ist ein imposanter Geländewagen, der aussieht, als käme er geradewegs aus der Nordsahara zurück nach Wertheim – oder aber als wäre er schon wieder auf dem Weg in den Amazonasdschungel. Beim Anblick dieses mit viel Liebe zum Detail und hoher Professionalität gebauten Autos schlägt jedem Outdoor-Abenteurer das Herz höher. Den Jeep Wrangler Unlimited, den Peter Büttner Ende Februar 2016 eigens für den Umbau gekauft hatte, ließ er um neun Zentimeter höher legen, um mehr Bodenfreiheit für Geländefahrten zu bekommen. Dazu kam eine Verlängerung im hinteren Karosseriebereich um 39 Zentimeter, die Platz für den Wohnmobilausbau schafft. Auch der Dachaufbau musste neu konstruiert werden, um das große Aufstelldach von Gazell aufzunehmen, unter dem das Doppelbett untergebracht ist. Im Mai dieses Jahres fuhr das Ehepaar Büttner zum ersten Mal gemeinsam mit dem geländegängigen Wohnmobil nach Südfrankreich in den Urlaub und im Juni ging es dann mit Froni zum Mantrailen an den Lago Maggiore.

Das einzige, was bei Peter Büttner eher schlicht ist, sind die Fahrhilfen, die er in seinem eindrucksvollen Jeep Wrangler braucht. Danach gefragt, zieht er einen Holzkochlöffel neben dem Fahrersitz hervor. „Den brauche ich, um nach dem Tanken den Tageskilometerzähler auf Null zu drücken. Alles andere liegt im Wrangler so günstig, dass ich es ohne Hilfsmittel bedienen kann“, schmunzelt er.