Für Mütter mit Handicap – M Courage


Wann, wo und wie ist „M courage“ entstanden?

Unsere Gründerin Sandra Olbrich hat die Gruppe 2007 ins Leben gerufen, nachdem sie ihr zweites Kind zur Welt brachte und der Bedarf an Unterstützung und der Wunsch nach Austausch immer größer wurde. „Wie machen das andere Mütter in meiner Situation?“, hatte sie sich damals gefragt. Sie brachte schließlich ganz unterschiedliche Mütter mit unterschiedlichen Behinderungen an einen Tisch, damit diese ihre Erfahrungen miteinander teilen und Tipps aus erster Hand weitergeben konnten. Das Wissen darüber, dass andere Frauen einen verstehen und man mit seinen Gedanken oder Sorgen nicht allein ist – das ist eine wertvolle Kraftquelle für uns als Mütter. Die Räumlichkeiten für die Müttertreffen stellt die Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen „Autonom Leben“ zur Verfügung. In der Entstehungsphase und bei bestimmten Fragestellungen steht Autonom Leben der Gruppe immer wieder beratend zur Seite. Die Gruppe besteht fort und entwickelt sich weiter, auch wenn die Leitung inzwischen gewechselt hat. So bleibt M courage lebendig und bunt.

M courage“ – ein Name, mit dem man sofort einiges assoziiert. Kraft, Mut, Lebensfreude und auch kämpferischen Willen. Warum haben Sie sich für diesen Namen entschieden?

Genau – das Konzept von Mut und Kraft schwingt auf jeden Fall mit und soll durch den Namen auch vermittelt werden. Das große M steht für uns Mütter – und die kommen bei uns an erster Stelle. Wir sind es, die bei den Treffen im Mittelpunkt stehen. Und das ist ja im Alltag von Müttern sonst eher selten der Fall – meist stecken wir ja doch zurück zugunsten der Bedürfnisse anderer. Bei M courage geht es aber nur um das, was uns bewegt und umtreibt. Und darüber können wir in einem geschützten Raum offen und unverblümt sprechen. Das hat etwas Befreiendes. Auf keinen Fall wollten wir einen Namen, der nach Happy Handicap klingt – so wie Handicap-Mum oder ähnlich. Und der Begriff „Behinderung“ ist in einem Namen etwas sperrig, wenngleich nicht unwichtig. Schließlich geht es ja – auch – genau darum: Um die Behinderung und das Behindert-werden als Mutter mit Einschränkung. Wie auch immer: Uns gefiel M courage einfach auf Anhieb recht gut und wir finden, dass der Name einen gewissen Wohlklang hat.

Was ist Ihr Anliegen?

Die Teilnahme an den Gruppentreffen kann ein erster Schritt sein, als Mutter etwas nur für sich zu tun. Einmal im Monat ganz bei sich sein zu können, die eigenen Themen in den Mittelpunkt stellen. Das ist wichtig, um wieder aufzutanken. Die Gruppentreffen bedeuten zudem: Raus aus der Isolation. Denn einige Mütter mit Behinderung ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück, haben deutlich weniger Kontakte als nicht behinderte Mütter. Besonders alleinerziehende Mütter tragen eine große Last. Weil bei der Kinderbetreuung die Unterstützung durch einen Partner fehlt, sind diese Frauen noch viel stärker an Haus und Kinder gebunden sind. Gemeinsam ist es einfacher, Prioritäten für

unsere Anliegen und Bedürfnisse zu setzen. Wir können uns gegenseitig stärken, denn durch die Solidarität innerhalb der Gruppe fällt es leichter, dem Druck stand zu halten – dem von außen und dem, den wir uns selber machen. Des Weiteren ist uns der Kontakt zu anderen Initiativen, wie mit dem bbe e. V., dem Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern e. V., oder zu Kanikuli e. V., einer Selbsthilfegruppe behinderter Eltern in Belarus.

An wen richten Sie sich?

Bei M courage sind alle Frauen willkommen, die Interesse an einem ehrlichen und kontinuierlichen Austausch sowie an konstruktiver Gruppenarbeit haben. Die Art der Behinderung spielt dabei keine Rolle. In der Gruppe finden sich Mütter mit unterschiedlichen Körper- und Sinnesbehinderungen oder chronischen Krankheiten. Auch schwangere Frauen mit Behinderung sind bei uns richtig – so können bereits viele Fragen geklärt werden, bevor das Baby kommt.

Wie oft treffen Sie sich? Und wonach richten sich Ihre Themenschwerpunkte?

Wir treffen uns einmal im Monat an einem Sonntagvormittag ohne Kinder oder Angehörige, um unbefangen reden zu können. Vertraulichkeit ist selbstverständlich. Wir Frauen bringen ein ehrliches Interesse an den Fragen anderer Mütter mit und sind offen, unsere Geschichte zu teilen.

Die Treffen sind strukturiert und haben jeweils einen thematischen Schwerpunkt, den wir gemeinsam festlegen. Oft gäbe es natürlich viel mehr zu besprechen, aber ein Schwerpunkt hilft, sich zu fokussieren und man verliert nicht so leicht den Faden.

Eine Auswahl von bislang besprochenen Themen:

  • Familienplanung und Kinderwunsch
  • Erschöpfung und Nicht-Jammern-Wollen
  • Nicht-sichtbare Behinderung
  • Welche Hilfen stehen mir zu?
  • Alleinerziehend mit Behinderung
  • Wo finde ich vertrauensvolle Alltagshelfer?
  • Partnerschaft und Sexualität

Auf Wunsch oder bei akuter Dringlichkeit gibt es aber auch Treffen ohne thematische Festlegung. Bei Frauen mit sehr großem und unmittelbarem Beratungsbedarf empfiehlt sich möglicherweise auch eine Einzelberatung in einer Beratungsstelle für behinderte Menschen wie „Autonom Leben“. Hier können wichtige Schritte individuell besprochen und vorbereitet werden.

Infos & Kontakt:
Homepage: www.mcourage.de
E-Mail: info@mcourage.de
Telefon: 0176. 836 000 84

Fotos: Katja Klein

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